Auf der Schnellstrasse zum F2P Teil 2 – Entwickler im Treibsand der Spielererwartungen

Lest Teil 1 – Mainstream statt Qualität?.

SWTOR hat mit einem bekannten Franchise und Millionen Fans der bekannten Geschichte die Möglichkeit gehabt, aus einem einfachen Spiel ein überragendes Erlebnis zu machen. Ein Erlebnis für das viele Spieler bereit sind nicht nur Zeit und Emotionen zu investieren sondern auch monatlich eine gewisse Summe Geld. Dass dieses Ziel nicht erreicht wurde, ist mit der Ankündigung des F2P-Modells in Zement gegossen. Doch was ist bei der Entwicklung falsch gelaufen?

Auch ich hatte die Chance SWTOR in einer recht späten Betaphase anzutesten. Nachdem ich die Entwicklung bereits jahrelang verfolgt hatte, hoffte ich meine Erwartungen nicht erfüllt zu sehen. Ja, richtig. Denn aufgrund der gezeigten Screenshots und Videos kam mir die Grafik altbacken vor, die Animationen unvollständig und dank der großen Verschwiegenheit was Details der Mechaniken und des Inhalts betrifft, rechnete ich mit dem schlimmsten: ein weiteres 08/15-MMORPG, das zwar für einige Wochen oder vielleicht sogar Monate ganz nett zu spielen wäre, aber darüber hinaus nichts zu bieten hat.

Unglücklicherweise wurden meine Erwartungen erfüllt. Ich fühlte mich in meine Zeiten von Anarchy Online zurück versetzt als ich Grafik und Animationen betrachtete. Die Spielwelt wirkte starr und linear – obwohl die Szenerie durchaus ansprechend war. Die eingespielten Sequenzen statt der endlosen Questtexte machten Eindruck, auch wenn manche der von mir gewählten Antworten anscheinend durch eine Art Stille-Post-System völlig verdreht bei den Auftraggebern ankamen. Die Gestaltung der Posten und Städte war beeindruckend, aber sie wirkten nur allzu oft leblos und gar wie Geisterstädte. Ein für MMORPGs wesentlicher Faktor, das Zusammenspiel und die generelle Interaktion mit anderen Spielern, beschränkte sich auf ein Minimum. Schlicht, weil sie einfach nicht notwendig waren und das Spiel sie auch nicht förderte. Einheitsbrei, das war mein abschließender Gedanke nach dem Spielen.

Die Entwicklung hatte ich mit Spannung verfolgt, mich über ein MMORPG gefreut, das nicht wie die überwältigende Mehrheit auf einem Fantasy-Setting beruht (mal ganz davon abgesehen, dass es StarWars ist) und vorbestellt, sobald die Möglichkeit dazu bestand. Ich ließ mir einige Tage Zeit, doch im Grunde stand der Entschluß schon, nachdem ich das Spiel zuletzt beendet hatte. Ich bestellte das Spiel wieder ab. Nicht schon wieder ein Spiel, das fast alles genau so macht, wie seine vielen Vorgänger. Nicht schon wieder ein Spiel, das ich einige wenige Monate spiele um dann sämtlichen Enthusiasmus zum Einloggen zu verlieren.

Ob BioWare und LucasArts die Macht der Marke StarWars überschätzt haben? Definitiv, denn die Spieler sind anspruchsvoller geworden. Und gelangweilter. Warum sollte ich etwas spielen, das ich in sehr änlicher Form nicht nur bei vielen anderen Spielen sondern meist auch in den Spielen finde, die ich bereits zuvor gespielt habe und in die ich bereits Zeit und Emotionen, ganz zu schweigen von finanziellen Mitteln, investiert habe? SWTOR ist ein durchaus passables Spiel geworden und es hat seine Highlights. Um jedoch mit hohen Abonnentenzahlen aufzuwarten und eine monatliche Gebühr zu fordern, ist es im Vergleich mit anderen Spielen einfach seiner Zeit hinterher. Die Erwartungen der Masse verändern sich. Ein großer Teil der MMORPG-Community hungert nach neuen Erfahrungen und Ideen. Oder nach den sehr frühen Erfahrungen und der Wiederentdeckung von alten Spielmechaniken und -aspekten.

Genau an dieser Stelle tut sich der Abgrund auf: die Erwartungen der gesamten Masse sind breit gefächert und doch lassen sie sich auf wenige Punkte reduzieren: Spaß am Spiel, interessante Unterhaltung, Abwechslung und Herausforderungen, die dem jeweiligen Spielstil und Können entsprechen. Theoretisch hört sich das schlicht an und der Gedanke kommt auf, dass diese Erwartungen doch leicht zu befriedigen sein müssten. Doch offensichtlich ist dem nicht so. SWTOR hat es nicht geschafft. Und während sich BioWare dieser Einsicht stellt und versucht sein Zahlungsmodell und Spiel anzupassen, wartet die Community bereits auf den Release des nächsten MMORPGs, das hoffnungsvoll und mit vielen Versprechen Ende August seine Tore öffnen wird: Guild Wars 2.

Lest weiter in Teil 3 – Wird das Rad neu erfunden?

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